Tagtägliches Grauen in Wort und Bild | »Galerie des Entsetzens« von Tobias Hainer und Chris Moser

Eingesperrt, misshandelt, ermordet und zerstückelt – dieses Buch thematisiert das Schicksal tierlicher Individuen in Wort und Bild.
In »Galerie des Entsetzens. Die ungeschminkte Wahrheit über Mensch-Tier-Verhältnisse« erhält der_die Leser_in, der_die Betrachter_in literarische und visuelle Einblicke in den zeitgenössischen Umgang mit Tieren.

 / Erstes Blättern im Buch /

Beim Blättern im Buch stoße ich auf rote Farbtropfen. Wie Blutspuren beflecken sie die Seiten. Die Worte scheinen von Zeit und Raum enthoben zu sein. Ebenso die Schwarz-Weiß-Grafiken, die sich auf der Seite gegenüber befinden. Unheimlich wirkt das in seinen Formen reduzierte Gebäude, was wird sich dahinter verbergen?

© Chris Moser, Hinter verschlossenen Türen, 2012
Chris Moser, Hinter verschlossenen Türen, Bleistift auf Papier, aquarelliert und mit Lack überarbeitet, 30 x 40 cm, 2012 | © Chris Moser

Zitate zum Einstieg

Zwei Zitate von Ernst Toller eröffnen die Auseinandersetzung mit Kunst.

»Kunst erreicht mehr als den Verstand, sie verankert sein Gefühl.
Sie gibt dem verankerten Gefühl
geistige Legitimation.
Ich glaube darum, daß der Künstler
nicht Thesen begründen, sondern Beispiele
gestalten soll.
Kunst gehört zu jenen seltenen geistigen
Mitteln, verschüttete Instinkte zu erhellen,
tapfere Haltungen zu schulen, spontanes
Gefühl für Menschlichkeit, Freiheit und Schönheit zu vertiefen.«

© Chris Moser, Haltung, 2012
Chris Moser, Haltung, Bleistift auf Papier, aquarelliert und mit Lack überarbeitet, 30 x 40 cm, 2012 | © Chris Moser

Das Vorwort von Herausgeber Andre Gamerschlag

Der_die Leser_in wird im Vorwort an das Thema der „sozialen Verhältnisse zwischen Menschen und anderen Tieren“ herangeführt. Ohne Scheue wird kritisiert, „den Menschen“ als völliges Gegenteil zum „Tier“ wahrzunehmen, obwohl dies doch eigentlich seit Darwin klar sein sollte, wirkt dieser Sprachgebrauch doch ungewohnt. In wenigen Zeilen zeichnet Gamerschlag die Entwicklung zur völligen Degradierung des nicht-menschlichen Tieres als Ware nach. Dabei werden auch Zusammenhänge mit Kapitalismus und Welthunger erläutert und eine notwendige Veränderungen angesprochen.

In der Galerie des Entsetzens …

erwarten den_die Leser_in vierzig Seiten mit Lyrik von Tobias Hainer und Grafiken von Chris Moser, die mit Wort und Bild das tägliche Grauen in Tierfabriken, Tierversuchslabors und Schlachtanlagen dokumentieren.

© Chris Moser, Tierversuch, 2012
Chris Moser, Tierversuch, Bleistift auf Papier, aquarelliert und mit Lack überarbeitet, 30 x 40 cm, 2012 | © Chris Moser

Die Schwarz-Weiß-Grafiken von Chris Moser zeigen festgeschraubte, aufgehängte, eingesperrte, bewegungsunfähige und/oder ermordete Tiere, deren Blicke sich teilweise an den_die Betrachter_in richten und durch den Einsatz von roter Farbe an Dramatik gewinnen.  Die Worte von Tobias Hainer veranschaulichen und erinnern auf lyrische Art und Weise an individuelle Tierschicksale. 

© Chris Moser, Körper, 2012
Chris Moser, Körper, Bleistift auf Papier, aquarelliert und mit Lack überarbeitet, 30 x 40 cm, 2012 | © Chris Moser

Alle Bilder: © Chris Moser. Freundlicherweise zur Verfügung gestellt von Chris Moser.
Sechs Originalgrafiken aus »Galerie des Entsetzens« waren in der Ausstellung »objects? of art!« zu sehen: Körper, Tierversuch, Tierversuch II, Haltung, Hinter verschlossenen Türen, Hinter verschlossenen Türen II.

Danke an Herausgeber Andre Gamerschlag für das Rezensionsexemplar.

von Victoria Windtner


Galerie des Entsetzens. Die ungeschminkte Wahrheit über Mensch-Tier-Verhältnisse (die tierbefreier Schriftenreihe – Band 2)

Herausgeber: Andre Gamerschlag
Grafiken: Chris Moser
Lyrik: Tobias Hainer
Autor: Andre Gamerschlag
Format: 21,5 x 21,5 cm
Seiten: 52
Umschlag: kartoniert
Verlag: SeitenHieb, 1. Auflage 2014
Preis: 9,90 €
ISBN 978-3867470667
→ Buchbestellung hier möglich!

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3 Kommentare zu „Tagtägliches Grauen in Wort und Bild | »Galerie des Entsetzens« von Tobias Hainer und Chris Moser

  1. Danke an die Autoren des Buches, Danke an die, die es hier publique machen. Ein Hoffungsschimmer. Und darüber hinaus ein wichtiges Zeichen für uns alle, die wir gegen dieses Entsetzen kämpfen. Danke!

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